Invasion aus dem All?
Ein Ufo von mehreren Kilometern Durchmesser schwebt über New York und schießt mit seinen Laserkanonen auf die Stadt. Wolkenkratzer fallen wie Kartenhäuser zusammen und die Menschen flüchten in panischer Angst. Doch vor dem Riesenmonster aus dem All gibt es kein Entkommen...
So wird im Kinofilm Independence Day“ die Ankunft von außerirdischen Eroberern dargestellt. Bei solchen Szenarien fragen sich nicht nur Phantasten oder Apokalyptiker, ob eine Invasion aus dem All wirklich möglich ist.
Voraussetzungen für organisches Leben
Leben ist aus biologischer Sicht eine komplizierte Existenzform langkettiger Moleküle. Nur Kohlenstoff kann solche komplexen Verbindungen aufbauen. Über Lebensformen auf Siliciumbasis hatte man lange Zeit nachgedacht, da Silicium ebenfalls in sehr vielen Stoffen vorkommt. Doch derartige Thesen wurden inzwischen verworfen.
Alle Lebewesen benötigen für ihren Fortbestand Energie, welche sie durch Atmung gewinnen. Das geschieht auf der Erde bei allen niederen und höheren Pflanzen und Tieren sowie bei den Menschen auf gleicher Weise. Eine andere Art der Energiegewinnung ist nicht denkbar. Deshalb müssen eine sauerstoffhaltige Atmosphäre und flüssiges Wasser vorhanden sein.
Alle diese Bedingungen finden wir weder auf der heißen Oberfläche eines Sterns noch irgendwo im leeren Weltraum. Leben kann also nur auf einem Planeten entstehen und sich dort weiter entwickeln. Seine Schwerkraft muss ausreichen, um eine Atmosphäre halten zu können, der Planet darf also nicht zu klein sein. Ein Riesenplanet würde jedoch durch seine starke Gravitation alle Lebewesen auf seiner Oberfläche zerdrücken. Zudem muss er in einer solchen Entfernung um einen Stern rotieren, um gerade die Wärmemenge zu empfangen, dass das Wasser weder ständig gefroren ist noch als Dampf in der Atmosphäre vorliegt.
Aber nicht jeder Stern erfüllt die Voraussetzungen, die für die Entstehung von Leben notwendig sind. Die Leuchtkraft und die Existenzdauer eines Sterns hängen nämlich von seiner Größe ab. Sehr große Sterne, sogenannte Riesen und Überriesen, strahlen viel Wärme für eine (aus astronomischer Sicht) kurze Zeit ab. Die Entwicklung des Lebens dauert jedoch mehrere Milliarden Jahre und erfordert zumindest ungefähr gleich bleibende klimatische Verhältnisse. Daher kommen nur Sterne der sogenannten Hauptreihe, der auch unserer Sonne angehört, in Betracht.
Leben außerhalb der Erde
Schauen wir uns zunächst in unserem Sonnensystem nach außerirdischem Leben um.
Der Merkur ist zu klein, um eine Atmosphäre zu halten. Die Venus besitzt zwar eine dichte, aber sehr schwefelhaltige Atmosphäre und auch ihre Oberflächentemperatur von etwa vierhundert Grad Celsius ist äußert lebensfeindlich.
Der Mars galt lange Zeit als Favorit für extraterristische Lebensformen. Seit etwa hundert Jahren wissen wir jedoch, dass sich dort kein höheres Leben, oder sogar eine Zivilisation entwickelt hat. Seine Oberfläche ist kalt und trocken. Dementsprechend fielen die Untersuchungen der „Viking-Sonden“ in den siebziger Jahren und die des „Pathfinders“ in den neunziger Jahren negativ aus. Aber vor vielen Millionen Jahren wurde der Mars von großen Meeren überflutet und nach neusten Erkenntnissen könnte es dort Mikroorganismen gegeben haben.
Die äußeren Planeten wie Jupiter und Saturn besitzen keine festen Oberflächen, da sie größtenteils aus Wasserstoff und Helium bestehen. Außerdem herrschen dort auf Grund ihrer Sonnenferne lebensfeindliche Temperaturen von weit unter minus einhundert Grad Celsius.
Auf der Suche nach außerirdischem Laben müssen wir uns also außerhalb unseres Sonnensystems begeben.
Unsere Galaxis, das Milchstraßensystem, besteht aus einhundert Milliarden Sternen unterschiedlicher Größe und verschiedenen Alters. Viele unter ihnen sind ungefähr so groß wie unsere Sonne.
Weit entfernte Planeten
Im Jahre 1995 wurde ein Riesenplanet in der Nähe des 40 Lichtjahre entfernten Stern 51 Pegasi (im Sternbild Pegasus) entdeckt. Damit ist die Frage, ob es außerhalb unseres Sonnensystems überhaupt Planeten gibt, geklärt. Inzwischen sind über 300 extrasolare Planeten bekannt, die meisten von ihnen wurden zwischen 2002 und 2008 entdeckt. Einige Sterne werden sogar von mehreren Planeten umkreist, ähnlich wie unsere Sonne.
Da die Planeten von ihren Sternen überstrahlt werden, gelingt ihr Nachweis nur indirekt, also über unregelmäßige Sternbewegungen oder Radiowellen. Erdähnliche Planeten, welche die Entwicklung von höherem Leben ermöglichen, können mit dieser indirekten Methode nicht gefunden werden, da sie zu klein sind, um die Bewegungen ihrer Sterne wesentlich zu beeinflussen. Dennoch können wir davon ausgehen, dass solche Planeten auch außerhalb unseres Sonnesystems existieren.
Chancen und Risiken einer Zivilisation
Eine Zivilisation kann nur von intelligenten Lebewesen gebildet werden. Intelligenz ist die Fähigkeit, Ereignisse wahrzunehmen und zu beurteilen. Wie diese Wesen, die wir als Humanoiden bezeichnen, aussehen, hängt von deren Umgebungsbedingungen ab, denen sie sich anpassen müssen. So können beispielsweise große, tellerförmige Ohren erforderlich sein, wenn die Schallwellen auf der Planetenoberfläche schwach sind. Bei sehr starker Wärmeeinstrahlung durch den Stern muss eine schuppige Haut ihre Körper schützen.
Die Humanoiden werden erkennen, dass es sich in einer Gemeinschaft besser leben und vor allem überleben lässt. Alle dazu notwendigen Tätigkeiten, wie die Nahrungssuche, werden aufgeteilt. Damit ist der Grundstein einer gesellschaftlichen Entwicklung gelegt. Ob sich diese zwangsläufig so wie auf der Erde vollzieht, wie es Karl Marx in seiner Theorie über die gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze formuliert hatte, überlassen wir den Philosophen und Soziologen. Auf jeden Fall werden sich die Humanoiden mit Wissenschaft und Technik befassen, um ihre Umwelt besser verstehen und nutzen zu können. Und da kein gesellschaftliches Wesen allein sein möchte, taucht irgendwann die Frage nach der Existenz anderer Zivilisationen im Weltall auf.
Sollten wir also ferne Nachbarn haben, dann werden sie uns genauso suchen, wie wir sie versuchen zu finden!
Zu einer Kontaktaufnahme ist aber nur eine mehrere Jahrtausende alte, hoch technisierte Zivilisation fähig. Das wirft die Frage nach ihrer Existenzdauer auf. Einschläge von gewaltigen Kometen oder Meteoriten, aber auch plötzliche Klimaveränderungen können das gesamte Leben auf einem Planeten innerhalb kurzer Zeit auslöschen.
Die größte Bedrohung geht aber von den Humanoiden selbst aus. Eine hoch entwickelte Technik setzt eine leistungsstarke Industrie voraus, die jede Menge Rohstoffe benötigt, welche von der Natur abgebaut werden. Dies kann zu enormen Umweltproblemen führen, wie wir sie aus eigener Erfahrung kennen.
Eine noch größere Gefahr besteht in der Selbstvernichtung durch Kriege. Erst wenn diese Gefahren durch Einsicht und guten Willen gebannt sind, hat eine Zivilisation überhaupt eine Chance auf einen langen Fortbestand.
Wie wir sehen, muss eine außerirdische Zivilisation erst mit ihren eigenen Problemen fertig werden, bevor sie sich intensiv mit uns beschäftigen kann. Demnach müssen wir mit keinem feindlich gesinnten Besuch aus dem Weltall rechnen. Die Horrorszenen aus „Independence Day“ verbleiben somit für immer in der Welt der Science fiction.
Große Entfernungen zwischen den Sternen
Denken wir daher nun über interplanetare Raumfahrer nach, die uns zu Forschungszwecken aufsuchen. Deren Problem besteht in den großen Entfernungen zwischen den Sternen. Ihr Raumschiff müsste daher mit annähernder Lichtgeschwindigkeit durch das Universum sausen. Dieses Tempo zu erreichen erfordert Unmengen an Energie und noch schneller zu fliegen ist nach der Einsteinschen Relativitätstheorie nicht möglich. Sie zu wiederlegen ist noch keinem (seriösen) Wissenschaftler gelungen. Der sonnennächste Stern, der Alpha Centauri, ist 4,3 Lichtjahre von uns entfernt. Ein Raumschiff benötigt selbst bei Lichtgeschwindigkeit für die Reise zu uns und zurück fast neun Jahre. Mit der heutigen, irdischen Raumfahrttechnik sind allein für diese, aus astronomischer Sicht sehr kurze Strecke, mehrere Tausend Jahre notwendig!
Keine interplanetaren Besucher
Es ist viel wahrscheinlicher, dass eine unbemannte Raumsonde mit einer Botschaft auf eine lange Reise durch das All geschickt wird, so wie wir es auch mit den Sonden „Voyager“ und „Pioneer“ getan haben.
Ob solche Raumsonden jemals von einer anderen Zivilisation entdeckt werden? Und wird uns vielleicht einmal eine Raumsonde von einem extrasolaren Planeten erreichen? Das kann nur der Fall sein, wenn die außerirdische Zivilisation etwa zum gleichen Zeitpunkt existiert wie unsere. Und was sind schon eine Million Jahre in der kosmischen Entwicklung! Wesentlich mehr Chancen versprechen wir uns davon, in absehbarer Zeit über Radiowellen mit außerirdischen, intelligenten Wesen kommunizieren zu können.
Auch wenn es noch so traurig und ernüchternd klingt, so müssen wir doch damit rechnen, einem Alien nie die Hand reichen zu können. Aber die Suche nach außerirdischem Leben wird weitergehen und vor allem wird der Traum, nicht allein im Weltall zu sein, solange fortbestehen, wie es intelligentes Leben gibt.