Leseprobe aus "Wirtschaft nach Plan"
Das Territorium der DDR gehörte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges dem Deutschen Reich an. Das damalige Land Thüringen sowie der Freistaat Sachsen, aus denen später die südlichen DDR-Bezirke hervorgingen, zeichneten sich durch eine leistungsfähige Industrie aus. Dort hatten sich vor allem die Textilproduktion, die Feinmechanik und die optische Industrie etabliert. Die nötigen Rohstoffe kamen aus Oberschlesien und aus dem Westen des Deutschen Reiches, im Gegenzug erhielten diese Landesteile Industriegüter aus Thüringen und Sachsen. Im nördlich gelegenen Land Mecklenburg sowie in der Provinz Brandenburg dominierte die Landwirtschaft, die in einigen Regionen eine Überschussproduktion vorweisen konnte.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges verschlechterten sich die wirtschaft-lichen Bedingungen in der sowjetischen Besatzungszone deutlich: Etwa 45 Prozent aller industriellen Produktionsanlagen waren zerstört worden. Von den verbliebenen intakten Betrieben wurden rund 75 Prozent demontiert und in die Sowjetunion gebracht, viele weitere Unternehmen wurden in Reparations-betriebe (Sowjetische Aktiongesellschaften, SAG) umgewandelt. Die Reparationszahlungen der sowjetischen Besatzungszone und der daraus entstandenen DDR dauerten bis 1953 an und betrugen 50 bis 60 Milliarden Mark. Weitere erschwerende Umstände beim Wiederaufbau der ostdeutschen Wirtschaft waren
- die ausbleibenden Rohstofflieferungen aus Schlesien
- die Abwanderung vieler, teilweise hoch qualifizierter Arbeitskräfte bis zum Bau der Berliner Mauer 1961
- der Wegfall von Absatzmärkten über die sowjetische Besatzungszone hinaus
Hinzu traten politisch-ideologische Hemmnisse: Einige ökonomisch notwendige Maßnahmen, beispielsweise eine flexible Preisgestaltung, durften auf Grund weltanschaulicher Aspekte nicht umgesetzt werden. Die westlichen Staaten erhielten zudem Unterstützung durch den Marshall-Plan, woran Osteuropa und darunter auch die sojetische Besatzungszone bzw. die spätere DDR auf Initiative der Sowjetunion nicht teilhaben durfte.
Das Hauptziel der ostdeutschen Wirtschaft bestand zunächst darin, den Vorkriegsstand zu erreichen und die Grundversorgung der Bevölkreung zu sichern. Außerdem waren bis zum Beginn der fünfziger Jahre die umfangreichen Reparationsleistungen zu erwirtschaften. Die Wirtschaft musste darüber hinaus dazu befähigt werden, Güter für den Export herzustellen, damit sich die DDR innerhalb der sozialistischen Staatengemeinschaft - und letztlich auch auf dem Weltmarkt - behaupten konnte. Um diese Ziele zu erreichen, wurden die Wirtschaftsstrukturen der DDR mehrmals umgestaltet...