Leseprobe aus "Der kleine Staat und sein großer Machtapparat"
Die Deutsche Demokratische Republik war ein von 1949 bis 1990 existierender mitteleuropäischer Staat, der aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone hervorgegangen war. Die Landesfläche betrug 108.000 Quadrat-kilometer, dabei dehnte sich das Land von Norden nach Süden durchschnittlich rund 450 Kilometer aus, von Westen nach Osten durchschnittlich etwa 250 Kilometer. Somit gehörte die DDR zu den kleineren europäischen Staaten.
Im Norden grenzte das Land an der Ostsee und im Osten an die Volksrepublik Polen. Südöstliches Nachbarland war die damalige Tschechoslowakei, im Westen verlief die streng bewachte, innerdeutsche Grenze. Mitten in der DDR lag die Enklave Westberlin.
Im Norden und in der Mitte des Landes breitete sich vorwiegend Tiefland aus, während der Süden durch Mittelgebirge geprägt war. Für den nördlichen Teil waren die durch die Eiszeit geformten Endmoränelandschaften und zahlreiche Seen charakteristisch. Unter diesen befand sich mit der Müritz (117 km²), gefolgt vom Schweriner See (62 km²) und dem Plauer See (38 km²). Die vor Stralsund gelegene Insel Rügen (926 km²) war die größte Insel der DDR und ist die größte deutsche Insel überhaupt. Zu den weiteren großen Inseln zählten Usedom im deutsch-polnischen Grenzgebiet mit 354 km² auf deutscher Seite und Poel (38 km²) bei Wismar. Mit 1214 Metern Höhe war der Fichtelberg im Erzgebirge die größte Erhebung des Landes. Ihm folgten der Brocken im Harz mit 1141 Metern und der Gifthüttenberg im Erzgebirge mit 1050 Metern. Etwa 500 Kilometer des Laufs der Elbe verliefen durch das ostdeutsche Territorium, sodass sie der längste Fluss in der DDR war. Oder, Saale und die Spree gehörten zu den weiteren, bedeutenden Flüssen.
Im Januar 1990 lebten in der DDR etwa 16,7 Millionen Menschen. Eine anerkannte nationale Minderheit bildeten die Sorben, zu dieser Volksgruppe gehörten etwa 60.000 Menschen, die hauptsächlich in den Bezirken Cottbus und Dresden angesiedelt waren. Die größte Bevölkerungsdichte hatte der südliche Bezirk Karl-Marx-Stadt (309 Einwohner pro km²), im nördlich gelegenen Bezirk neubrandenburg lebten hingegen nur 57 Einwohner pro km². Die Bevölkerungsdichte der gesamten DDR lag mit 151 Einwohnern pro Quadrat-kilometer zum Ende der achtziger Jahre im europäischen Mittelmaß. Der Norden war, bedingt durch die Landwirtschaft, relativ dünn besiedelt, während die industriellen Ballungszentren auf den Süden, insbesondere iauf die Bezirke Halle und Leipzig, konzentriert waren.
Die DDR gliederte sich zunächst in die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, doch im Jahre 1952 wurden die Länder im Zuge einer Verwaltungsreform aufgelöst und an deren Stelle 14 Bezirke gebildet. Zu den nördlichen Bezirken zählten Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. In der Mitte des Landes lagen die Bezirke Magdeburg, Potsdam, Frankfurt/Oder, Halle und Cottbus. Zu den südlichen Bezirken gehörten Leipzig, Dresden, Erfurt, Karl-Marx-Stadt (später Chemnitz) und Gera sowie der kleine Bezirk Suhl. 1961 wurde Ostberlin als Bezirk gleichgestellt. Alle Bezirke waren wiederum in izusammen über 200 Landkreise aufgeteilt. Einige Städte bildeten jeweils einen eigenen Landkreis. Nach der Wende 1989 wurden die alten Bundesländer wieder eingeführt und die alten Landkreise blieben aber zunächst weiter bestehen. Doch in den darauf folgenden Jahren jedoch wurden viele, meist kleinere Landkreise zu größeren Landkreisen zusammengelegt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Berlin in vier Sektoren aufgeteilt. Aus den von den Westalliierten USA, Frankreich und Großbritannien verwalteten drei Sektoren ging später Berlin (West) hervor, welches allseitig vom Territorium der DDR umschlossen war. Diese Enklave umfasste eine Fläche von 481 km². Die über 160 Kilometer lange Grenze wurde ab 1961 von der DDR streng bewacht, vorher konnte sie noch ungehindert überschritten werden. Der unter sowjetischer Verwaltung stehende Ost-Sektor Berlinns wurde die Hauptstadt der DDR.
Diese Anbindung Ost-Berlinns an die DDR widersprach den Festlegungen der Konferenz von Jalta im Februar 1945, danach sollte Berlin als Sondergebiet verwaltet werden. Später aber wurde Ost-Berlin von den Westalliierten als Hauptstadt der DDR geduldet. Ost-Berlin hatte 1,1 Millionen Einwohner und war damit die größte Stadt in der DDR, gefolgt von Leipzig und Dresden mit jeweils rund 600.000 Einwohnern. Erst mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die Teilung Berlins wieder aufgehoben.